Franziskus sprach

Franziskus sprach

23. Mai 2021

Gedicht von Thomas Gsella

Prolog

Im April 2021 beklagte der Papst bei einem Gebet auf dem Petersplatz den Tod von 130 Menschen, die unter den Augen der Küstenstaaten und der Frontex tagelang vor der Küste Libyens vergeblich um ihr Leben kämpften: „Es ist Zeit, sich zu schämen. Lasst uns beten für diese Brüder und Schwestern und für all jene, die weiterhin auf diesen dramatischen Reisen sterben. Beten wir auch für all jene, die helfen können, aber lieber wegschauen“.

Rückblick

Im Jahr 2018 wurde die Lifeline nach einem Rettungseinsatz im Hafen von Valetta festgesetzt und unsere Flagge wurde entzogen. Zu dieser Zeit waren wegen verschiedenster Restriktionen und Schikanen gegenüber privaten Seenotrettern über Monate gar keine NGOs im Einsatz. Tausende Menschen ertranken. Auf der verzweifelten Suche nach einem Flaggenstaat baten wir damals auch den Vatikan, unser Rettungsschiff zu registrieren. Diese Bitte lehnte die Apostolische Nuntiatur im Auftrag des Staatssekretariats des Vatikans umgehend ab. Die Lifeline habe „keine tatsächliche Beziehung zum Vatikanstaat“ und so könne man „die eigene Zuständigkeit über die Lifeline nicht ausüben“.

Der Vatikan ist seit 1951 im Besitz eines eigenen Schiffsregisters ist, das damals zur Beflaggung von Schiffen zu humanitären Zwecken eingerichtet wurde. Der Papst als gewählter Monarch des Vatikan hätte also nicht nur helfen und damit viele Leben retten können, sondern auch ein ganz besonderes Zeichen der Barmherzigkeit setzen können, für die die katholische Kirche gern stehen möchte.

Die Vergabe der Flagge des Vatikans an eine Seenotrettung NGO wäre aber eine Entscheidung gewesen, die möglicherweise für politische Unruhe in Rom gesorgt hätte. Unruhe, die man dort scheut – bewegt gesprochene Worte der Trauer über die vielen Toten sind eben auch für den Heiligen Vater einfacher, als wirklich zu helfen.

Insofern

„Es ist Zeit, sich zu schämen. Beten wir auch für all jene, die helfen können, aber lieber wegschauen“.

Foto: Tom Hinter

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