Endspurt

14. September 2021

Alles geht zu Ende, Nordkurse sind in diesem Sektor der Seefahrt ein untrügliches Zeichen dafür und auf einem solchen befanden wir uns heute Morgen auch.
Es folgte noch ein kleiner Abstecher nach Westen, für die letzten Meilen benötigte unser durstiger Motor noch ein paar Liter Diesel.
So lernten wir noch flüchtig die Marina von Dénia kennen, tankten nochmal und bogen nach dem Hafenausgang wieder links in Richtung unseres finalen Stopps ab.
Die Zwischenzeit vertrieb ich mir dann damit, bei meinen Kamerad/innen Coronatests zu nehmen, sehr zu deren Missfallen, aber da half alles nichts.
Es ist dann wie bei jeder Zielgeraden, die letzten Meilen sind die längsten und so war es um kurz nach Mitternacht endlich so weit, nochmal im überhitzen Fünfmanndeck die verschwitzte Kleidung zu wechseln, auf das Oberdeck zu klettern, Fender und Leinen klarzumachen, das Beiboot mit Clara und Leon auszusetzen und dann in Burriana einen 270°-Kreis zu drehen und längsseits bei den Kollegen einer spanischen Seenotrettungsorganisation anzulegen.
Dabei halfen uns die Kollegen von ,,Mission Lifeline‘‘ die mit einem Transporter den Landweg genommen hatten und nun unsere Leinen entgegennahmen.
Nach einem großen Hallo gab es Pizza und dann fiel ich auch schon in die Koje, nur um dann vorschriftsmäßig um 03:30 aufzuwachen, festzustellen, daß ich durch die geöffnete Notausstiegsluke den Sternenhimmel sehen konnte und die Hauptmaschine aus war, um mich dann zufrieden auf die andere Seite zu drehen und weiterzuschlafen.
So stelle ich mir Urlaub vor.
Am nächsten Tage stehen nun diverse Debriefings an, das Schiff hat einen harten Belastungstest bestanden, einige Dinge müssen die nächsten Wochen noch angepasst oder verbessert werden, wir sind froh, daß es keine großen Baustellen sind, sondern alles im Bereich des Erwartbaren liegt.
Dann Danke ich herzlich für das Interesse an diesem Blog, hoffe, daß er ein kurzweiliges Lesevergnügen war und daß ich vielleicht das Interesse wecken konnte, die ,,Rise Above‘‘ auf ihren sicherlich nicht minder spannenden Einsätzen begleiten zu wollen.
Ich hoffe, daß das Schiff auf diesen vielen Menschen das Leben retten wird.
Dafür braucht es eine gute Besatzung, aber auch die beste Mannschaft ist wirkungslos, wenn Geld für Kraftstoff und Ersatzteile fehlen.
Die Seenotrettung im Mittelmeer ist teuer, erhält keine staatliche Förderung, und wider Gerüchten wird auch nicht mit Schleppern kooperiert.
Sie generiert keinerlei Einnahmen außer Ihren Spenden, auf die sie und die Menschen, die sie rettet, bitter angewiesen sind.
Es ist für viele Organisationen ein stetiger Balanceakt an der Grenze zur Insolvenz, nur verhindert durch großzügige Spender wie Sie, die an den Rettungen einen ebenso großen Anteil haben, wie die Besatzungen der Schiffe, die den Ertrinkenden die Hand reichen.
Und so hoffe ich, daß Sie der Sache gewogen bleiben, bedanke mich, daß Sie es uns bisher ermöglicht haben, dieses Schiff zu kaufen, umzubauen, ins Mittelmeer und bald in den Einsatz zu bringen, wo es sicher zahllosen Menschen das Leben retten kann.
Ihr
Gerald Karl

Fotos: Leon Salner

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