Respekt vor Menschen fängt beim Namen an 

Respekt vor Menschen fängt beim Namen an

17. Januar 2021

Kolumne von Lamya Kaddor

Die beiden Deutschen Ugur Sahin und Özlem Türeci haben es diese Woche auf das Cover des „Time“-Magazins geschafft. Und in Deutschland weiß man nicht einmal, wie man ihre Namen korrekt ausspricht. Oder? Die Sache ist komplizierter, als sie scheint.

Respekt vor Menschen fängt beim Namen an. Ihn falsch auszusprechen, ihn abzukürzen oder gar zu verballhornen, zeugt von Ignoranz, schlimmstenfalls von Rassismus.

Besondere Sorgfaltspflicht haben hier Medien. Sonst setzt sich eine falsche Aussprache fest.

Die Namen der beiden Biontech-Gründer sind türkischen Ursprungs. Er schreibt sich im Türkischen Uğur Şahin und spricht sich „Uh-r Schaa-hin“. Zu hören ist aber oft Ugur mit „g“ wie in „Joghurt“ und Sahin mit „s“ wie in „Sahne“.

Özlem Türeci heißt im Türkischen nicht „Ötz-lem Tü-rezi“, sondern das „z“ wird als „s“ wie in „Sonne“ gesprochen, das „c“ als weiches „dsch“ wie in „John“. Hier ein kleines Tutorial

Özdemir, Özil, Nazan, Cem, Gülcan, Can – solche Namen sind inzwischen Teil dieses Landes geworden. Türkische Namen gehören zu Deutschland. So wie polnische, russische, englische, französische, italienische und andere. Auch ohne Fremdsprachenkenntnisse sollten sich die Aussprache-Basics inzwischen herumgesprochen haben.

Allerdings ist es manchmal anders, als manch übereifrige Mahner*innen vermuten. Der Vorwurf der Ignoranz oder gar des Rassismus, der sich darin zeigen soll, dass Medien oder andere sich nicht um eine türkische Aussprache bemühen, kann vorschnell erfolgen.

Der Biontech-Gründer stellt sich nämlich selbst als Ugur Sahin vor – nicht als Uğur Şahin. Er wählt also eine eingedeutschte Variante. Auch die Firmen-Homepage weist ihn als Ugur Sahin aus.

Warum Menschen eingedeutschte Eigennamen wählen, hat verschiedene Gründe – wie Resignation, weil ihre Namen dauernd falsch ausgesprochen werden; Selbstschutz, um dem Radebrechen anderer vorzubeugen; Konzilianz, um es dem Gegenüber zu erleichtern; zur besseren Identifikation mit Deutschland oder zur Abgrenzung vom Herkunftsland; aus Gleichgültigkeit, Gewohnheit etc.

Aber wie dem auch sei: Jeder Mensch bestimmt selbst, wie sein Name gesprochen wird. Korrekt ist immer das, was die Namensträger*innen wollen. Besserwisser, die es besser wissen wollen als die Namensträger*innen, sind nicht besser als die Ignoranten. Sie betreiben Paternalismus und Bevormundung, was nicht weniger von mangelndem Respekt zeugt.

In Zeiten des Internets kann man Aussprachen rasch googlen oder die betreffende Person einfach mal befragen. So viel Zeit sollte sein.

Und solange sich (auf die Schnelle) nicht klären lässt, wie ein Name korrekt artikuliert wird, bietet sich meiner Meinung nach an, statt eigenmächtig einen Namen einzudeutschen, nach der Grammatik des Herkunftslandes zu gehen. Wer nicht weiß, wie ein Ugur Sahin geschrieben und ausgesprochen werden will, sollte ihn so lange Uğur Şahin nennen.

Foto: FH Münster

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