Mission 5


Mission 5

Nach einem zehntägigen Aufenthalt in Malta starten wir am 18. November 2017 zu unserer 5. Mission. Wir nutzen die Überfahrt zur libyschen SAR Zone um mit der Crew verschiedene Rettungsmanöver zu trainieren. Wir üben auch das „Antipiraten – Training” mit dem verlassen des Schiffes. Am 20. November werfen wir vor der libyschen SAR Zone den Anker. Ein Kriegsschiff passiert unseren Weg und wir halten kurz über Funk Kontakt. Einen Tag später fahren wir weiter.

In den frühen Morgenstunden gegen 5:35 Uhr erkennt der Kapitän auf dem Radar ein nicht gekennzeichnetes Schiff.

Bereits eine Viertelstunde später sieht unsere Wache das nicht hochseetaugliche Holzboot mit dem Fernglas. Wir melden unsere Sichtung an das MRCC Rom und bitten um Erlaubnis zur Rettung. Unser RHIB wird 6:30 Uhr zu Wasser gelassen, die Crew verteilt an die Insassen des Bootes Rettungswesten und  beginnt mit dem Abbergen von Frauen und Kindern. Auf der LIFELINE werden die 41 Geretteten mit Decken gegen die Kälte und Trinkwasser versorgt. Das Holzboot wird versenkt und vom MRCC Rom erhalten wir die Bestätigung zum Transfer der Flüchtlinge auf die SEA WATCH 3, die auf den Weg zum europäischen Festland ist. Wir folgen der Aufforderung und verbleiben in unserer Position bis zum Eintreffen der SEA WATCH 3 in der Nacht vom 21. Zum 22. November. Um 00:15 Uhr starten wir mit dem Transfer unserer Gäste.

In der Mittagsstunde am 22. November erreicht uns per E-Mail vom MRCC Rom die Meldung eines Seenotfalls.

Trotz des Wellenganges kann unserer Wache das Boot wenige Minuten später sichten. Wir beginnen 12:40 Uhr mit der Rettung von 95 Personen und erhalten während dessen die Meldung über ein weiteres Schlauchboot in unserer Nähe.Ein Teil der Crew fährt mit dem RHIB SARA zum sinkenden Schlauchboot und nimmt zuerst eine schwangere Frau an Bord. Während der Überfahrt zur LIFELINE entbindet die junge Frau um 15:40 Uhr ihr Kind. Für uns ist dies ein sehr ergreifender Moment. Sie wird anschließend mit ihrem Neugeborenen an Bord der LIFELINE geholt und medizinisch betreut.

In der Zwischenzeit bergen wir die verbliebenen Menschen aus dem Wasser. Nicht mehr alle haben es geschafft die Rettungswesten anzulegen bevor das Schlauchboot endgültig sinkt. Die SEEFUCHS von SEA EYE ist in der Nähe und unterstützt uns bei der Bergung und dem Einsammeln der im Meer treibenden Rettungswesten.

Am späten Nachmittag um 17:00 Uhr ist der Einsatz abgeschlossen. Wir vertauen das RHIB SARA, da an Bord der LIFELINE kein Platz mehr ist. In der Nacht zum 23. November erfolgt erneut ein Transfer der Geretteten auf die SEA WATCH 3.

Kurz darauf um 01:59 Uhr am 23. November erhalten wir vom MRCC Rom die Meldung über einen weiteren Seenotfall.

Wir begeben uns zur angegebenen Position. Nach drei Stunden Fahrt und Suche sichten wir das Holzboot. Wir teilen Rettungswesten an die 42 in Seenot geratenen Menschen aus und beginnen unmittelbar mit der Rettung. Im Anschluss daran verbrennen wir das Holzboot und setzen Kurs in Richtung Malta.

Auf dem Rückweg erinnern wir uns an die Geburt des Kindes. Uns stellt sich die Frage, wie schlimm die Zustände in Libyen sein müssen, das eine hochschwangere Frau die extrem gefährliche und fast immer tödlich endende Flucht über das Mittelmeer wagt! Wir sind unendlich erleichtert das wir noch rechtzeitig das sinkende Schlauchboot erreicht haben. Am 25. November 2017 erreichen wir Malta und legen in einem sicheren Hafen an. Während dieser acht Tage dauernden Mission haben wir in nur zwei Tagen 260 Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

Fotos: Mission Lifeline